May
29
5:00 PM17:00

Nr. 3 / "DisDance" – Das Tanzfest trotz Pandemie

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Keynote: Susanne Ernst / "DisDance" – Das Tanzfest trotz Pandemie

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Das Tanzfest ist ein Festival, das im Regelfall jährlich in der gesamten Schweiz (in rund 30 Städten und Gemeinden) an einem Maiwochenende stattfindet; das Event musste abgesagt werden. Wir gingen daher mit einer virtuellen Variante online: "DisDance"

Tanz ist eine der sozialsten Tätigkeiten überhaupt; Social Distancing ist so ziemlich das Gegenteil davon. Weil ein Leben ohne Tanz undenkbar ist, ein Leben ohne Distanz momentan aber auch, lancieren, tanzen und feiern wir ein neues Konzept: DisDance

Tanz auf Distanz ist das diesjährige Motto unserer digitalen Festivalausgabe. Damit wahren wir (Dis)Tanz! 


Am Wochenende des Tanzfestes gingen wir mit verschiedenen Aktionen online:

- Vom 15. bis 17. Mai wurden auf der Website, Facebook und Instagram Schnupperkurse und Tanzlektionen von Tanzlehrer*innen aus der ganzen Schweiz angeboten (auf Spendenbasis).

- Für Kinder, Experimentierfreudige, Sitzmüde und für Partytiger haben wir ein Programm zusammengestellt – in Zusammenarbeit mit den Gewinnern der Schweizer Tanzpreise und des nationalen Projektsaufrufs Out & About. Sie alle wären am Tanzfest mit ihren Stücken auf Tournee durch die ganze Schweiz gegangen.

- Beispielsweise die Choreografin und Tänzerin Marion Zurbach war zu sehen in einer offenen Diskussion mit ihrer Osteopathin Camelia Cabrera – sie erörterten das Thema «Pathologie einer Tänzerin».

- Zum krönenden Abschluss lancierten wir am Sonntagnachmittag eine Onlineparty mit einem Flashmob choreografiert von Edouard Hue, ausgezeichnet als «herausragender Tänzer 2019». 


Nun, im Anschluss an das Festival möchten wir mit Susanne Ernst Bilanz ziehen und die Erfahrungen dazu zur Diskussion stellen.

Über Susanne Ernst:

Susanne Ernst studierte Theaterwissenschaft und Französisch an der LMU München und der Sorbonne Nouvelle in Paris sowie Kulturmanagement an der Euro-FH Hamburg. Nach Einblicken in die Arbeit des Bayerisches Staatsballetts 2010 widmete sie sich zunehmend organisatorischen Aufgaben, u.a. bei den Münchner Festivals DANCE, Spielart, Tanzwerkstatt Europa, Africtions, Münchener Biennale und RODEO. Ergänzend dazu ist sie auch immer wieder als Kulturvermittlerin, Moderatorin von Künstlergesprächen oder Journalistin (z.B. für tanznetz.de) tätig. Sie ist Mitglied des Rat & Tat Kulturbüros München mit den Arbeitsfeldern Produktionsleitung, Antragsberatung und Pressearbeit. Seit 2019 lebt sie in Basel und arbeitet bei Reso als Koordinatorin für das Tanzfest.

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May
8
5:00 PM17:00

Nr. 2 Curating the Pandemic Image

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Keynote: Marco De Mutiis / Curating the Pandemic Image

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The presentation will offer a short summary and an initial mapping of the responses by different stakeholders of the cultural field, as a result of the impact of the covid-19 pandemic. From institutions to artists, from governments to funding bodies, the talk will attempt to illustrate some trajectories that might shed light specifically on the current changing role of museums and some reflections on what this could mean in the short, medium and long term future for the cultural sector.

Short bio:

Marco De Mutiis is Digital Curator at Fotomuseum Winterthur, focusing on the role of the digital and networked image, digital infrastructures and the museum online, as well as creating different projects and alternative platforms for knowledge transfer. He is part of a SNF funded research project titled “Post-Photography” with the Lucerne University of Applied Sciences and Arts and a PhD researcher at the Centre for the Study of the Networked Image at London South Bank University.

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Apr
17
7:00 PM19:00

Nr. 1 Kultur im Shutdown – Digitales Exil oder zweite Heimat?

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Keynote: Christian Holst / Kultur im Shutdown – Digitales Exil oder zweite Heimat?

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Blogbeitrag von Christian Holst Veröffentlicht am 23. März 2020 in seinem Blog christianholst.de

Kultur im Shutdown – Digitales Exil oder zweite Heimat?

Die Virologin Karin Mölling sagte neulich in einem Interview (das Radio Eins im Nachhinein in einer höchst peinlichen Art und Weise „einordnete“) Viren seien „Antreiber der Evolution“ (Min 4:03). Das soll jetzt angesichts der schwierigen Situation nicht sarkastisch klingen, aber im übertragenen Sinne lässt sich diese Aussage auch auf die Digitalisierung kultureller Angebote beziehen: Während sich viele Kultureinrichtungen jahrelang damit schwertaten, digitale Programme zu entwickeln, gilt es jetzt, schnell zu sein und in kurzer Zeit digitale Angebote bereitzustellen, damit eine Art kulturelles Leben aufrechterhalten werden kann.

Für Einrichtungen, die sich schon länger digitale Angebote im Programm haben, war das erstmal relativ einfach: Die Berliner Philharmoniker machen ihre Digital Concert Hall vorübergehend frei zugänglich, Opern- und Konzerthäuser und Orchester, die es können, stellen Aufzeichnungen kostenlos zur Verfügung. Eine (nicht vollständige) Übersicht für den Sektor klassische Musik hat die NZZ. Bei der Augsburger Allgemeinen gibt es eine Liste mit Schwerpunkt auf Angeboten von Museen.

Daneben entstanden aber auch viele spontan improvisierte Lösungen wie Igor Levits Hauskonzertreihe, die er via Twitter und Facebook live überträgt, die Lesungen von Saša Stanišić auf Twitch oder die Instagram-Führungen des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Auf Twitter habe ich neulich eine ko-kreativ verfasste Corona-Geschichte entdeckt, leider aber den Link nicht direkt gespeichert. Besonders bewegend fand ich ein Video des Bachfestival Malaysia, bei dem Künstler und Freunde des Festivals online gemeinsam „Befiehl du deine Wege“ sangen und spielten. Das Schöne: Dass das Video gleich hält, was der Text des Chorals – geistlich oder ungeistlich interpretiert – verspricht: „Irgendwie wird es weitergehen“. (Ein ähnliches Video haben die Bamberger Symphoniker auf Instagram gepostet.) Das sind freilich nur wenige und völlig willkürliche Beispiele. Regelmäßig über das Angebot informieren kann man sich im täglichen Krautreporter-Newsletter, der jetzt eine Rubrik mit Kulturtipps für den virtuellen Raum hat. Erwähnenswert für Menschen, die sich für Kulturmanagement in Zeiten des Corona-Virus‘ interessieren, finde ich außerdem noch den Podcast „Wie geht’s?“ des Hamburger Instituts für Kultur- und Medienmanagement, in dem Martin Zierold mit Leuten aus dem Kultursektor darüber spricht, wie der Shutdown ihren Arbeitsalltag verändert.

Es passiert also gerade einiges. In einem Bericht über diese neuen Angebote bin ich neulich allerdings über eine aufschlussreiche Formulierung gestolpert. Dort hieß es nämlich, viele Künstler seien ins „digitale Exil“ ausgewandert. Interessant ist diese Formulierung insofern, als sie impliziert, dass die „Heimat“ der Künstler, die Bühne, der Ausstellungsraum, eben die analoge Welt ist. Die Shutdown-Maßnahmen sind damit quasi eine „Vertreibung“ aus dem natürlichen und angestammten Lebensraum; der digitale Raum ist – auch 2020 noch – ein fremder Raum, in den man durch äußere Umstände gezwungen wird, der aber nicht aus intrinsischer Motivation heraus erkundet wird.

Bislang wurde der Nutzen digitaler Aktivitäten vor allem als Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten gesehen. Damit ist die Digitalisierung im öffentlich finanzierten Kulturbereich zuerst und vor allem im Marketing sichtbar geworden. Als Erweiterung der ästhetischen Möglichkeiten und Ausweitung des ästhetischen Raumes spielte die digitale Sphäre nur eine nachrangige Rolle. Vielleicht, weil es bisher wenig Anreiz gab, sich den digitalen Raum zu erschließen. Tragfähige digitale Geschäftsmodelle für nischige Kunst (ich meine damit die „klassische Kultur“ insgesamt) konnten bislang nicht entwickelt werden – Long Tail hin oder her. Selbst Leuchtturmprojekte mit internationaler Ausstrahlung und einem klaren Business-Case wie die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker bewegen sich – auch viele Jahre nach der Gründung und je nachdem mit wem man spricht – entweder nur sehr knapp oder immer noch nicht in den schwarzen Zahlen. Hier kann man allerdings einwenden: Tragfähige Geschäftsmodelle gibt es für öffentlich finanzierte Kultur in aller Regel auch nicht im analogen Raum und sind bei den derzeit aufkeimenden digitalen Aktivitäten ja auch kein Hinderungsgrund mehr.

Wie gesagt dienten digitale Inhalte in aller Regel zu Marketingzwecken, sie sollten veranschaulichen, was man in den Häusern vor Ort erleben kann. Gerade bei verbal schlecht vermittelbaren Angeboten wie zum Beispiel einem abstrakten Tanzstück ist das natürlich auch sinnvoll. Trotzdem sind die Inhalte immer nur ein Abbild der „eigentlichen“ Inhalte für Marketingzwecke, nicht als eigenständige künstlerische Ausdrucksform gedacht. Andere bewährte Einsatzgebiete sind die Imagebildung, z.B. um die eigene Pionierrolle zu unterstreichen (Berliner Philharmoniker), oder das Audience Development, wo versucht wird, insbesondere junge Menschen im digitalen Raum „abzuholen“ und über kurz oder lang in die Häuser zu locken. Digitale Angebote als genuine, den traditionellen Formaten gleichgestellte Angebote zu sehen, das war und ist die Ausnahme – insbesondere in den Performing Arts. Teilweise wird das ausschließlich klassische analoge Kulturerlebnis sogar noch immer bewusst als Gegenwelt zu virtuellen Angeboten positioniert, die keine physische Präsenz an einem bestimmten Ort erfordern. Unter den Museen gibt es einige, die ihren Auftrag des Forschens, Sammelns, Bewahrens, Ausstellens und Vermittelns auch digital umsetzen und zum Beispiel keine Unterscheidung mehr zwischen Besuchern vor Ort und in den digitalen Ausstellungsräumen machen (vgl. dazu z.B. das Interview mit Silke Oldenburg im „Wie gehts’s?“-Podcast). Common Sense ist das nach meiner Wahrnehmung aber noch nicht.

Man kann den Kultureinrichtungen jetzt sicher nicht den Vorwurf machen, in den zwei Wochen seit dem Shutdown noch keine genuin digitalen künstlerischen Formate entwickelt zu haben. Man kann aber fragen, warum es nicht schon lange vor den Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 passiert ist – von den allseits bekannten Ausnahmen abgesehen. Offenbar braucht es den Druck durch eine externe Entwicklung, wie er jetzt durch den Shutdown entstanden ist. Das ist zwar einerseits etwas konsternierend, zumal die aktuelle Situation ja voraussichtlich massive Konsequenzen haben wird (s. dazu z.B. die Artikel im VAN-Magazinoder der Zeit, die Petition für Hilfen für Freiberufler und Künstler sowie den Spendenaufruf der Deutschen Orchester-Vereinigung). Andererseits lässt sie sich aber – wie eingangs gesagt – auch als Antreiber der Evolution verstehen und nutzen: Die aktuelle Situation ist ein guter Anlass zu überlegen, wie der digitale Raum nicht nur Exil, sondern zu einer zweiten Heimat für Kultureinrichtungen werden kann. Im zweiten Teil soll es deswegen darum gehen, was die Voraussetzungen sind, damit das gelingt.


Über Christian Holst

Seit Sommer 2019 bin ich Studiengangskoordinator des Master Arts and Cultural Management (MACUMA), den die Universität Lüneburg gemeinsam mit dem Goethe-Institutanbietet. Daneben unterrichte ich als Dozent und Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen und Weiterbildungsinstituten, u.a. der HAW HamburgKulturmarkt Zürich, der Zürcher Hochschule der Künste, der Leuphana Universität. Thematisch geht es dabei um

  • digitale Kulturkommunikation

  • digitale Markenführung

  • Co-Creation und

  • ganz allgemein die digitale Transformation im (klassischen) Kultursektor.

Außerdem bin ich Mitgründer bzw. -organisator der Schweizer bzw. Hamburger stARTcamps. stARTcamps sind offene, partizipative Konferenzen, die sich ebenfalls mit diesen Themen beschäftigen. Bevor ich mich beruflich in den Hochschulsektor orientiert habe, habe ich im Marketing und in der Öffentlichkeitsarbeit des Opernhauses Zürich und des Oldenburgischen Staatstheaters sowie für eine Stiftung gearbeitet.

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